Die Neuapostolische Kirche Österreich

Bezirk Linz (Oberösterreich)

Andacht in der Kirchengemeinde Steyr
04.11.2017 / Steyr
Die Andacht begann mit einem Kurzfilm, der den Anwesenden vor Augen führte, wie schnell das irdische Leben durch den Leichtsinn oder durch Unachtsamkeit zu Ende sein kann. Gut ist, wenn man dann in das Leben nach dem Leben treten können wie Dietrich Bonhoeffer.

„Von guten Mächten wunderbar geborgen…“. Dieses Lied wurde vom "Jungen Chor" in der Andacht vorgetragen. Bewegend war, was zur Entstehung geführt hat. Dietrich Bonhoeffer, ein wohl vielen bekannter Name, schrieb es im Jahre 1944 im Gefängnis und legte es einem Brief an seine Verlobte bei. Die Verse dieses Liedes waren ihr sowie den Eltern und Geschwistern als Weihnachtsgruß zugedacht. Es war der letzte Gruß eines Todgeweihten und sein Vermächtnis.

Dieses Lied regt immer wieder zum Nachdenken an, zum Rückblick auf Vergangenes und zum Ausblick in die Zukunft. Gott bietet allen an, zuversichtlich und in seiner Liebe geborgen zu sein.

Auch der Text des Liedes „Wenn Friede mit Gott…“ hat einen bewegenden Hintergrund: Im Jahre 1871 wurde Chicago durch ein Feuer verwüstet. Rund 300 Menschen verloren ihr Leben und über 100.000 ihre Heimat. Ein Opfer dieser Katastrophe war Horatio Gates Spafford. Er verlor bei diesem Brand sein gesamtes Kapital. Er hatte in Immobilien investiert, die nun nicht mehr existierten. Doch weitaus schlimmer für ihn war, dass sein einziger Sohn in diesem Inferno starb. Trotzdem setzte er sich für die Menschen der Stadt ein, die wohnsitzlos, verarmt und verzweifelt waren.

Nach etwa zwei Jahren wollte er mit seiner Familie eine Reise nach England unternehmen, um Europa zu bereisen. Spafford wurde aber durch einen Geschäftstermin aufgehalten und schickte seine Frau und seine vier Töchter mit dem Schiff voraus. Dieses Schiff kollidierte jedoch mit einem englischen Segelschiff. Es sankt innerhalb kürzester Zeit. Seine vier Töchter starben. Seine Frau war eine der 47 Überlebenden dieses Unglücks. Spafford machte sich sofort auf den Weg zu ihr.

Horatio Gates Spafford hätte allen Grund gehabt, Gott anzuklagen, aber trotz all dieser Schicksalsschläge, die ihm und seiner Frau widerfahren waren, hielt er an Gott fest. Ja, er lobte ihn sogar. Sein Glaube bewegte ihn dazu, von sich selbst auf andere zu schauen. So gingen beide 1881 nach Jerusalem und halfen dort den Menschen. Durch ihren Einsatz kammen viele Muslime und Juden zum Glauben an Jesus Christus.

In all diesen Geschehnissen wurde Horatio Gates Spafford dazu inspiriert, 1876 dieses Lied zu schreiben: „When peace like a river (It is well with my soul)“. Theodor Kübler übersetzte 1880 diesen Text in „Wenn Friede mit Gott…“
Er konnte diesen Text schreiben, obwohl sein Sohn und seine vier Töchter gestorben waren. Seine, nach diesem Unglück geborene Tochter, schrieb in ihrem Buch „Unser Jerusalem“:
„Vater war überzeugt, dass Gott gut ist und dass er seine Kinder im Himmel wiedersehen würde. Dieser Gedanke beruhigte sein Herz.“ Als er später einmal wieder über den Atlantik fuhr und über der Stelle der Havarie war, sagte er: „Ich denke nicht an unsere Lieben dort unten. Sie sind sicher und geborgen in den Armen des guten Hirten und es wird nicht mehr lang sein, dann werden auch wir dort sein. In der Zwischenzeit danken wir Gott und haben noch Gelegenheit, ihm zu dienen und ihn zu preisen wegen seiner Liebe und Gnade zu uns.“

Auch die weiteren Beiträge des "Jungen Chores" der Kirchengemeinde Steyr, wie der Beitrag „Erklärung des Lebens nach dem Tod“, der verglichen wurde mit „dem Weg nach Hause“, wurden mit dem Liedbeitrag „Licht nach dem Dunkel“ wunderbar begleitet. Das Schlusslied „Mein Liebstes fehlt mir sehr“  berührte die Anwesenden, da doch jeder bereits einen Lieben in der jenseitigen Welt hat.

Durch diese Andacht wurde wohl mancher zum Nachdenken über sich, sein Leben und das Leben nach dem Leben angeregt und das Vertrauen an das Wiedersehen mit denen, die uns in die jenseitige Welt voraufgegangenen sind, wurde gestärkt.

Werner Degenfellner | Barbara Altmüller
Fotos: Werner Degenfellner